Dienstag, 4. Oktober 2011
1.8., Tag 11 – losing it.
Das neblige Wetter lädt zum chiläxn im Hotpool des zum Skigebiet gehörenden Hotels direkt neben der Piste. Das 38 Grad heiße, natürliche Thermalwasser kocht mir mein Hirn weich, weshalb ich vor lauter Entspanntheit meine wasserdichte Helmkamera liegen lasse, 10 Zentimeter neben dem Becken. Leichtes Spiel also für die hiesigen GoPro-Ganoven, die ein solches Geschenk natürlich gerne annehmen. Als ich eine halbe Stunde später zum Ort des Geschehens zurückkomme, ist sie sicher schon längst im Handpepäck irgendeines gierigen brasilianischen Luxushotel-Gastes verschwunden. Gut. Nicht.
Sonntag, 2. Oktober 2011
31.7., Tag 10 – THE SHIT.
Ich lerne noch mehr Leute aus der kleinen, sich bestens bekannten Freeride-Gemeinde kennen. Reimundo ist wahrscheinlich einer der besten chilenischen Skier überhaupt; Lena aus Hamburg, die vor einem Monat eine Mischung aus Snowboardshop und Kaffee eröffnet hat und dort ihre eigene Kleidungsmarke vertreibt, ist froh mal wieder jemand Deutschsprachigen um sich zu haben (und sie macht die beste fucking heiße Schokolade der Welt); drei witzige Park-Kiddie-Schlumpfinen aus Frankreich blödeln mit dir auf der fast halbstündigen Liftfahrt und starten mitten im Powderhang einen dreisprachigen Freestyle-Rap vom Feinsten. Alle sind irre aufgeschlossen und amüsant, und allmählich zeigen sie mir den ganzen Berg und die vielen Backcountry-Möglichkeiten darauf, denen sie allen recht spaßige Namen gegeben haben. „Elephant rock“ ist heute the place to be, „tres dedos“ fahre ich beim ersten Run um 9 mit Reimundo und seinen Jungs, und beim letzten um 5 mit Gustavo.
Das Beste ist, du wirst hier dank vorzeitlicher Lifttechnik nicht müde Gas zu geben. Acht Stunden shredden pro Tag ist gleich vier Stunden in einem Alpen-Skigebiet ist gleich zehn Runs Maximum. Aber diese zehn sind zum Niederknien, und zum nie wieder Aufstehen. Termas de Chillán – this is THE SHIT!
...und hier ein erstes Video-edit, zusammengeschnipselt aus dem Material von drei hammerschönen Tagen in Termas de Chillan, Chile, Ende Juli 2011.
watch on youtube for a bigger picture!
...und hier ein erstes Video-edit, zusammengeschnipselt aus dem Material von drei hammerschönen Tagen in Termas de Chillan, Chile, Ende Juli 2011.
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Samstag, 1. Oktober 2011
30.7., Tag 9 – falling in love.
Man erzählt mir, dass ein nicht ganz unspektakulärer Part für das so far beste Snowboardvideo aller Zeiten hier in Termas de Chillán gedreht wurde – Scottie Lago´s Slide auf dem 5 Meter hohen Führungsseil des längsten Sesselliftes im Gebiet ist im Trailer für „The Art of Flight“ selbst unter all den übrigen Szenen von einer anderen Welt noch gut vertreten. Und wen wunderts, dass Travis Rice und Crew hier auch heuer wieder mit tonnenweise flügelverleihenden Dosen und zwei Helis aufkreuzen werden:
Auch bei heute teilweise schlechter Sicht und böhigem Wind kann dieser Ort zwar nicht die Welt vor dem von Menschenhand verursachten Untergang bewahren und verhindern, dass wir alle in die Hölle kommen, aber er kann viel. Powder, obwohl es weder am Vortag noch in der Nacht geschneit haben kann, quasi aus dem Nichts. Die wenigen Spuren von gestern sind schon längst wieder verschwunden. Das Wetter die Bombe. Der Ausblick genial. Die Leute relaxt. Ich verliebe mich gerade. In Chile.
29.7., Tag 8 – …und dann wurde es Pow. Und es war gut.
Jetzt weiß ich, warum ich hier bin. Das Sauwetter der letzten Tage hat uns einiges an Neuschnee gebracht, heute ist es bedeckt aber okay, und zum ersten mal seit meiner Ankunft vor vier Tagen haben sie auch den langen Sessellift zur Bergstation geöffnet, was mir Zugang verschafft zu: Hängen in bester Lage, untracked 9 to 5. Felsen. Treeruns. Rinnen. Bowls. Wenn schon nicht alles, dann zumindest vieles, was dir als Freerider so einfallen könnte. Aber es fällt hier niemandem ein, der Powder gehört mir mir mir, mir ganz allein. Und halt den Leuten, die mit mir shredden. Und maximal noch allen anderen. Aber sonst: mir. Nuff said. qttp
Donnerstag, 29. September 2011
28.7., Tag 7 – downday.
Qué tiempo de mierda! Das Wetter ist auch heute original zum Vergessen, weshalb ich mein halblustiges Ausweichprogramm in die Tat umsetze. Mit dem Bus nach Chillán, dort den mir empfohlenen Markt besichtigt und halb leer gekauft, einmal zu oft die Zielscheibe für kleinwüchsige Zeigefinger geworden, einmal zu oft von den an den Zeigefingern hängenden Kids ein „Mira Mama, Gringo!“ zu hören bekommen, einmal zu oft zwei Stunden auf den Bus zurück nach Las Trancas gewartet und dabei die Zeit mit einem Kirchenbesuch totzuschlagen versucht. Der dreckige Charme mittelgroßer Städte irgendwo im Nirgendwo der chilenischen Pampa hat sich mir also noch nicht so recht erschließen wollen.
Froh zurück zu sein, beschließe ich den letzten Tag meiner ersten Woche in Südamerika mit einem grandiosen, von Gustavo, dem sehr bewusst lebenden Freizeitkoch und soon-to-come-Biobauern unseres Hauses zubereiteten Festmahl. Es gibt die von mir am Chillán´schen Markt besorgten Muscheln und dazu eine Art vegetarianischen Auflauf nach hiesiger Art. Claro que me gusta muschiiisimo!
(PS: Dieser Tag, er war nicht nur mäßig spannend bis lame, er war auch der einzige von insgesamt 56, an denen kein einziges herzeigbares Foto entstanden ist. Dafür morgen endlich erste pow-pics und überübermorgen ein GoPro-Edit, oooh ja. …qttp)
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